Bonjour Mauretanien

Die Westsahara konnten wir recht zügig durchqueren dank einer gut ausgebauten Strasse. Nur ca. 80 km waren noch im Bau bzw. wurden erneuert. Nach Ad-Dakhla, dem Paradies für Kitesurfer in der Wüste, wurde die Strasse schlechter, der Verkehr aber auch weniger.

Die Ausreise aus dem marokkanischen Staatsgebiet ging verhältnismässig zügig. Für den Zoll sollte unser Auto geröngt werden. Wir standen in einer Reihe von LKWs schliesslich ganz vorne in der Schlange, als uns mitgeteilt wurde, dass der Beamte jetzt Mittagspause machen wird. Es ist wie es ist. Wir sind in Afrika und wir haben Zeit. Ich wollte schon aussteigen und einen Tee kochen, als plötzlich der Beamte auf uns zu kam und in die Röntgenhalle winkte. Super, eine Stunde gespart! Und ein Beamter, der sich seine Kunden anschaut und ahnte, dass es bei uns nichts zu finden gibt. Danach gab es für den Beamten wirklich die Mittagspause und ein herzliches Dankeschön von uns.
Unsere Französischkenntnisse halten sich in Grenzen, das arabisch ist noch rudimentärer. Manchmal hilft das, bei Bhörden voran zu kommen, manchmal ist es hinderlich. Wir hatten Glück: Ein Mauretanier, Hmeida, entpuppte sich als Hotelbesitzer, der in einem deutschen Reiseführer erwähnt ist. Er half uns bei den Papieren, bei der Durchfahrt durch das Niemandsland (Achtung: Minen! Und beobachtet von der UN.) und auch bei der Einreise nach Mauretanien. Diese Prozedur hat uns beide Nerven gekostet. Es war heiss, staubig und dreckig. Und wir brauchten ein Visum. So standen mit vielen anderen Reisenden in einem kleinen Innenhof, gedrängt um eine kleine Tür, aus der hin und wieder ein Beamter trat, einen Stapel Pässe in der Hand und die Namen laut vorlas. Diese Personen durften das „Büro“ betreten und kamen einige Zeit später mit dem Visum raus. Aber wie bekommen wir unsere Pässe in dieses Zimmer? Hmeida half uns es richtig zu machen. Ich sollte mich links der Tür aufstellen, Klaus rechts. Links standen auch einige andere Frauen. Nach ca. einer halben Stunde (die Tür war mehrmals geöffnet worden), wies der Beamte die Frauen an, sich in einer Reihe aufzustellen. Er hat die Reihenfolge noch leicht verändert: ich war unter den vier Glücklichen. Das Büro war dunkel und rudimentär eingerichtet. An einer Seite stapelten sich leere Kisten, ausgemusterte Drucker, Scanner und andere technische Geräte. Es dauerte einige Zeit bis alle Namen und Daten in den Computer eingegeben waren, dann wurden die Fingerabdrücke elektronisch gespeichert und ein Foto gemacht. Das Visum ausgedruckt, in den Pass geklebt und dann gescannt (?). Zum Schluss noch die Gebühr bezahlt. Die Euros wurden in eine Schublade gelegt. Ungeordnet. Ein Berg voller Geldscheine. Der Beamte sah meinen Blick, grinste und zuckte mit den Schultern. Ich lächelte zurück.

Klaus stand noch in der Meute. Hmeida und ich gingen los, um den Landrover einzuführen. Papiere ausfüllen, Gebühr bezahlen, mein Visum bei der Polizei abstempeln lassen, beim Polizeichef vorsprechen (Das war einfach, hier habe ich meine mangelnden Französischkenntnisse mit Lächeln und Charme ersetzen können), und dann die Versicherung. Chaos. Antrag gestellt, Polizeichef eingeschaltet, warten. Inzwischen Klaus mit Obst und Wasser versorgt. Er hatte den Pass immer noch in der Hand. Und er hatte neue Freunde gefunden. Omar, ein marokkanischer LWK-Fahrer und er hielten sich immer gegenseitig die Plätze frei, damit jeder mal wohin konnte. Gemeinsam geht es leichter. Wieder zur Versicherung, wieder zu Klaus. Irgendwann nach Stunden war zumindest sein Pass im Büro. Irgendwann auch er. Ich hatte inzwischen auch einen neuen Freund. Einen Kater. Der wollte nach kurzer Zeit nur noch auf meinen Schoss und gestreichelt werden. Alle amüsierten sich darüber. Nach über vier Stunden hatte auch Klaus das Visum.

Die Versicherung war immer noch nicht fertig. Hmeida hing über dem Tresen, wie auch andere. Alle versuchten gleichzeitig die Agenten dazu zu bringen, ihre Versicherungspolice als nächstes zu bearbeiten. Wir hatten inzwischen eine mauretanische Telefon-/Datenkarte geholt. Ein junger Mann hat sie uns eingerichtet. Für solche Zwecke haben wir europäische Zigaretten dabei. Besser als Geld, und doch Zahlungsmittel.

Es war schon dunkel, die Police war fertig, wir fuhren los. Erst nach Süden, dann nach Osten an der Grenze entlang, dann sind wir wieder nach Süden abgebogen . Eine kleine Tankstelle mit Moschee schien uns ein geeigneter Übernachtungsplatz. Bonne nuit Mauretanien.

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